Heuer wurde wieder auf 26 Standorten in Niederösterreich Ausfallgetreide (v.a. Wintergerste) auf
Infektionen mit Viren untersucht.
Der Befall mit Virosen ist in diesem Jahr nochmals höher als
im Vorjahr. 88% der 26 Proben weisen einen Befall mit
Getreide-gelbverzwergungsvirus auf. Nimmt man jene
Proben mit dem Weizenverzwergungsvirus noch mit dazu,
sind über 90% der Proben mit Viren befallen.
Gersten- und Getreidegelbverzwergungsviren werden von
Blattläusen übertragen, Weizen- und
Gerstenverzwergungsviren von Zikaden (Wanderzirpen).
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Untersucht wurde auf das Vorhandensein von
Gelbverzwergungsviren und Verzwergungsviren. In der
Untersuchung wurde jedoch nicht unterschieden, um welche der jeweils zwei unterschiedlichen Formen es sich
handelt. Grundsätzlich können die Virosen auf allen Getreidearten auftreten.
Die Virusbelastung des Aufallgetreides ist in diesem Jahr sehr hoch. Bei entsprechend warmer Herbstwitterung
wie im Jahr 2023 können die Viren von Blattläusen in die frischen Getreidebestände übertragen werden. Im
darauffolgenden Frühjahr 2024 traten die teils massiven Probleme mit virösen Gerstenbeständen auf. Im Herbst
2024 zeigte sich, dass trotz einer hohen Befallsrate eine Übertragung auf die Herbstsaaten vielfach ausblieb. Ein
Grund dafür waren wahrscheinlich spätere Saatzeitpunkte aber auch kühlere Witterungseinflüsse mit geringerer
Insektenaktivität. Die Tiere (Blattläuse und Zikaden) sind bei warmen Temperaturen (am Tag mindestens 12 – 15°C,
Nächte nicht unter 8°C) sehr aktiv. Erst ab deutlich sichtbar aufgelaufener Gerste fliegen die Tiere auf die Bestände
zu. Haben sie an den infizierten Pflanzen (Ausfallgetreide, Gräser) gesaugt und fliegen anschließend in die jungen
Wintergetreidesaaten, dann kann es zu einer Übertragung kommen. Es wird daher von Frühsaaten (Gerste im
September, Weizen vor dem 10. Oktober) abgeraten.
Ab dem Auflaufen des Getreides soll das Auftreten der Tiere beobachtet werden, dazu können Gelbschalen dienen.
Man findet die Tiere aber auch in den jungen, eingerollten Blättern oder am Wurzelhals. Im Gegensatz zu Zikaden
(diese übertragen auch das Weizenverzwergungsvirus) fliegen Blattläuse nicht weg, wenn man sich den Pflanzen
nähert. Eine wirtschaftliche Schadensschwelle ist schwer festzulegen, als Richtwert gelten in etwa 10% Befall.
Ab dem 2- bis 3-Blattstadium und Auftreten von Blattläusen Tiere kann bei Bedarf eine Behandlung (z.B.
gemeinsam mit der Unkrautbekämpfung) mit zugelassenen synthetischen Pyrethroiden (Cymbigon Forte, Decis
forte, Karate Zeon, Mavrik Vita/Evure, Nexide-bis 30. September 2026 zu verbrauchen oder Sumi Alpha/SumicidinTop) oder Teppeki/Afinto, dem neuen Carnadine bzw. mit Pirimor Granulat durchführen.
Gegen Zikaden gibt es derzeit kein zugelassenes Insektizid. Auch die Zusatzwirkung im Falle einer
