
Integrierter Pflanzenschutz
Gesunde Pflanzen brauchen umfassende Strategien.
Mit vorbeugenden Maßnahmen, gezielter Überwachung und gezieltem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sichern wir eine nachhaltige Produktion. Der moderne Pflanzenschutz erweitert das etablierte Modell des integrierten Pflanzenschutzes um innovative Technologien, neue biologische Verfahren und eine stärkere Berücksichtigung gesellschaftlicher Anforderungen.
Der integrierte Pflanzenschutz verfolgt das Ziel, gesunde Kulturpflanzen mit möglichst geringen Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit zu produzieren. Berufliche Verwender:innen – also alle, die im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit Pflanzenschutzmittel einsetzen – sind verpflichtet, die folgenden Grundsätze einzuhalten und in ihrer täglichen Praxis umzusetzen
1. Vorbeugende Maßnahmen treffen
Schon vor dem Anbau sollten berufliche Verwender:innen durch eine gezielte Fruchtfolge, die Auswahl widerstandsfähiger Sorten, eine ausgewogene Düngung und konsequente Hygienemaßnahmen das Risiko von Krankheiten und Schädlingen minimieren. Auch die Förderung von Nützlingen gehört zu diesen vorbeugenden Schritten.
2. Bestände regelmäßig überwachen
Die Pflanzenbestände sind laufend zu kontrollieren, um einen Befall mit Schadorganismen frühzeitig zu erkennen. Dabei helfen Methoden wie Gelbschalen, Pheromonfallen, Prognosesysteme oder Warndienste. So können berufliche Verwender:innen gezielt und rechtzeitig reagieren.
3. Schadschwellenprinzip anwenden
Entscheidungen über Pflanzenschutzmaßnahmen sollten erst getroffen werden, wenn ein wirtschaftlich relevanter Befall – die sogenannte Schadschwelle – erreicht ist. Dies verhindert unnötige Eingriffe und schont Ressourcen sowie die Umwelt.
4. Nicht-chemische Methoden nutzen
Nachhaltige und wirksame biologische, physikalische oder andere nicht-chemische Verfahren haben Vorrang vor chemischen Pflanzenschutzmitteln, sofern sie ein zufriedenstellendes Ergebnis ermöglichen. Ziel ist es, natürliche Mechanismen zu fördern und die Umweltbelastung zu reduzieren.
5. Pflanzenschutzmittel gezielt einsetzen
Wenn Pflanzenschutzmittel notwendig sind, sollten berufliche Verwender:innen diese so gezielt und sparsam wie möglich einsetzen. Dabei ist auf ein enges Wirkungsspektrum und geringe Nebenwirkungen für Mensch, Nützlinge und Umwelt zu achten.
6. Resistenzen vorbeugen
Um die Wirksamkeit von Pflanzenschutzmitteln zu erhalten, sind Strategien zur Vermeidung von Resistenzen anzuwenden. Dazu gehört etwa der Wechsel von Wirkstoffen mit unterschiedlichen Wirkungsweisen.
7. Maßnahmen dokumentieren und Erfolg kontrollieren
Alle durchgeführten Pflanzenschutzmaßnahmen müssen dokumentiert und regelmäßig auf ihren Erfolg überprüft werden.
8. Digitale Technologien und Präzisionslandwirtschaft integrieren
Moderne Sensorik, Drohnen, Satellitenbilder und Farmmanagementsysteme ermöglichen eine präzise Überwachung und gezielte Behandlung von Pflanzenbeständen. Mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) lassen sich Pflanzenschutzmittel noch gezielter und sparsamer einsetzen, indem beispielsweise Unkraut oder Schaderreger punktgenau erkannt und behandelt werden. Intelligente Feldspritzen und automatisierte Systeme ermöglichen eine bedarfsgerechte, teilflächenspezifische oder sogar einzelpflanzenbasierte Applikation von Pflanzenschutzmitteln.
9. Innovative biologische Pflanzenschutzmittel und neue Wirkstoffe nutzen
Neben klassischen biologischen Verfahren kommen zunehmend neue, hochspezifische biologische Pflanzenschutzmittel zum Einsatz, die gezielt Viren und andere Schaderreger bekämpfen. Diese Innovationen bieten bei manchen Problemstellungen eine nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Pflanzenschutzmitteln.
10. Automatisierung und Robotik einsetzen
Autonome Feldroboter und sensorbasierte Hacktechnik können mechanische Unkrautbekämpfung und andere Aufgaben übernehmen, wodurch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln weiter reduziert werden kann.
11. Transparenz, Biodiversität und gesellschaftliche Verantwortung stärken
Digitale Dokumentationssysteme sorgen für eine lückenlose Nachverfolgbarkeit aller Maßnahmen. Der Schutz von Biodiversität und Ökosystemleistungen wird stärker berücksichtigt, und gesellschaftliche Anforderungen wie Transparenz und Nachhaltigkeit gewinnen an Bedeutung.
Mit diesen Erweiterungen wird der integrierte Pflanzenschutz zu einem umfassenden, modernen System weiterentwickelt, das digitale Technologien, innovative biologische Verfahren und gesellschaftliche Ansprüche integriert. Dadurch wird der Pflanzenschutz noch nachhaltiger, effizienter und umweltverträglicher gestaltet und bleibt zukunftsfähig. Mit modernem, integrierten Pflanzenschutz leisten berufliche Verwender:innen einen wichtigen Beitrag zu nachhaltiger Landwirtschaft und dem Schutz unserer natürlichen Ressourcen.
